Rede des Botschafters Wladimir M. Grinin auf dem feierlichen Empfang anlässlich des Tages des Vaterlandverteidigers, 23. Februar 2013


Товарищи офицеры,

Sehr verehrte Damen und Herren,

Liebe Freunde!

Ich begrüße Sie alle, die Sie heute in die Russische Botschaft gekommen sind. Die einen begrüße ich gratulierenderweise zum Tag des Verteidigers des Vaterlandes. Recht herzlich begrüße ich auch die anderen, die heute mit uns die Feierlichkeiten des 23. Februar teilen wollen.

Heute Vormittag haben wir mit zwei bewegenden Kranzniederlegungen im Treptower Park und im Tiergraten der Rotarmisten gedacht, die in den letzten Kriegsmonaten und –tagen ihr Leben gelassen haben. Diese Kranzniederlegungen sind für die Botschaft Tradition. Dieser fühlen wir uns verpflichtet – aus Dankbarkeit und aus dem Bewusstsein der historischen Verantwortung heraus gegenüber den Menschen, die um den Preis ihres eigenen Lebens vor knapp 70 Jahren unser Land und unsere Nation vor Vernichtung und Versklavung gerettet haben. Ihr Andenken darf nicht dem Vergessen anheim fallen.

Zum Glück befinden sich die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland gegenwärtig auf einem nie gekannten hohen Niveau. Doch das ist keine Selbstverständlichkeit. Der Krieg riss unsere Völker auf eine schreckliche Weise auseinander. Einen langen Weg musste man gehen, bis in der Erinnerung an dieses furchtbare Leid – nicht nur des einen sondern auch des anderen Volkes – die Versöhnung möglich gemacht werden konnte.

Eine wichtige Voraussetzung für diese Versöhnung wurde die Kriegsgräberfürsorge. Sie hatte und hat eine geradezu psychologische Einwirkung auf jeden Einzelnen und auf die Gesellschaft insgesamt – und das auf beiden Seiten. Die Versöhnungsarbeit über den Gräbern hat einst verfeindete Nationen einander von Angesicht zu Angesicht gegenüber treten, das beiderseitige Leid erkennen und dadurch den Wert des Menschenlebens und des Friedens begreifen lassen.

Dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge kam dabei eine mit entscheidende Rolle zu. Der Volksbund – dahinter stehen Zigtausende Menschen, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, freiwillige Helfern, Spender und Förderer aus der ganzen Welt. Doch heute möchten wir ganz besonders das Engagement seines Präsidenten Herrn Reinhard Führer würdigen.

Sehr geehrter Herr Führer, lieber Reinhard!

In den langen Jahren Deiner Präsidentschaft im Volksbund beweist Du immer wieder aufs Neue, wie sehr Dir die Annäherung zwischen dem russischen und deutschen Volk am Herzen liegt. Beherzt, engagiert und öffentlich setzt Du Dich  dafür ein. Denn soviel ist sicher: Völker aneinander näher bringen heißt Menschen an einander näher bringen. Ohne Annäherung gibt es keine Verständigung. Ohne Verständigung gibt es keine Freundschaft. Deshalb ist es für mich eine besondere Freude und Ehre, Dich heute gemäß dem Erlass des Präsidenten der Russischen Föderation vom 22. November 2012 mit dem Orden der Freundschaft auszuzeichnen für „großen Beitrag zur russisch-deutschen Zusammenarbeit im Bereich der Kriegsgräberfürsorge und zur Instandhaltung der sowjetischen Kriegsgräberstätten auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland“.

Lieber Reinhard, ich bitte Dich den Orden in Empfang zu nehmen, verbunden mit unser aller Dank und Anerkennung für Dein Engagement für die Aussöhnung, Verständigung und Freundschaft zwischen Russen und Deutschen.

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Heute möchten wir das Engagement Eberhard Radzuweits würdigen, des Vorstandsmitglieds des Vereins für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion KONTAKTE-КОНТАКТЫ, den wir als unseren guten Freund und Partner bezeichnen dürfen.

Lieber Herr Radzuweit, mit der Verordnung des Verteidigungsministers der Russischen Föderation werden Sie mit der Medaille des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation „Für die Verdienste bei der Verewigung des Gedenkens an die gefallenen Verteidiger des Vaterlands“ ausgezeichnet.

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Meine Damen und Herren,

ich freue mich sehr, dass heute neben Herrn Führer und Herrn Radzuweit auch das Engagement anderer deutscher Organisationen und Vereine gewürdigt wird, die sich tagtäglich um die deutsch-russische Verständigung bemühen.

Im Auftrag des Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin vom 13. Dezember 2012 wird die Dankesurkunde des Präsidenten für „großen Beitrag zur Zusammenarbeit im Bereich der Kriegsgräberfürsorge, Instandhaltung der russischen Kriegsgräberstätten auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland“ an folgende Organisationen verliehen:

- die Brandenburgische Freundschaftsgesellschaft, die in den über 20 Jahren ihres Bestehens zu einem wahren Leuchtturm der deutsch-russischen Freundschaft in der Mark geworden ist;

- die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain, die in dieser Informations- und Bildungsstätte die Erinnerung an 30 000 sowjetische Kriegsgefangene wach halten und somit ein Beispiel des verantwortungsbewussten Umgangs mit der Geschichte abgeben;

- die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gedenkstätte Sachsenhausen der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, deren Engagement weit über die Grenzen der Mark ausstrahlt und zu Recht eine große Wertschätzung nicht nur in Deutschland, sondern auch in Russland genießt;

- die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gedenkstätte Seelower Höhen, die vor kurzem eine neue Ausstellung zur historischen Schlacht im Oderbruch eröffnet haben und ein deutliches Zeichen für das Nichtmüdewerden der Erinnerungsarbeit gesetzt haben;

- die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora, deren Beitrag zur gesamteuropäischen Erinnerungskultur als Grundlage für Völkerverständigung und Frieden in Europa in seiner Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden kann;

- die Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft, deren Aufgabenspektrum als Dachorganisation für viele Gedenkstätten und Dokumentationsstellen von einer würdigen memorialen Gestaltung der Gedenkorte über pädagogische Angebote bis hin zur angewandten wissenschaftlichen Dokumentation und Forschung reicht.

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Meine Damen und Herren,

als Träger und Förderer der deutsch-russischen Beziehungen wissen Sie am besten, dass Freundschaft kein vom Himmel gefallenes Geschenk ist. Mit Ihrer tagtäglichen Arbeit beweisen Sie, dass sich alle Mühe lohnt, wenn man zwei Völker näher aneinander bringen will, vor allem wenn es sich dabei um das russische und deutsche Volk handelt. Denn schlussendlich profitieren werden davon nicht nur unsere beiden Länder, sondern ganz Europa, zu welchem Russen und Deutsche zusammen gehören.

Ich bedanke mich bei Ihnen allen, wünsche Ihnen weiter beste Gesundheit und gutes Gelingen für Ihre notwendige Arbeit. Lassen Sie uns nun unsere Gläser auf die Freundschaft, auf das Vertrauen und den immer währenden Frieden zwischen Russen und Deutschen erheben!

 


25.02.2013
 

Botschaft der Russischen Föderation

in der Bundesrepublik Deutschland